Kolossale Chose:

Kant,Hermann

320px-Hermann Kant 140908 Userin KulturstallKants erstes Buch war der 1962 erschienene Erzählband Ein bisschen Südsee. Schon darin waren die stilistischen Einflüsse der amerikanischen Short Story und von Autoren wie O. Henry sowie Kants für die damalige DDR-Literatur neue satirische und (selbst)ironische Schreibweise erkennbar.

In seinem ersten Roman Die Aula (1965) beschrieb Kant eigene Erlebnisse an der Arbeiter- und Bauernfakultät. Im Buch ist die Schließung der ABF Anlass für eine Abschlussfeier, auf der die Hauptfigur eine Rede halten soll, für die sie dem Schicksal ihrer Mitstudenten und damit einem Teil ihres eigenen Lebens und der Pionierzeit der DDR erzählerisch nachgeht. „Kants bekanntester und bester Roman“ machte ihn in Ost und West schlagartig bekannt, auch weil das Buch in beiden deutschen Staaten kontrovers diskutiert wurde. Während in der DDR überwiegend das „parteiliche Bekenntnis“ der Kantschen Hauptfiguren zur „sozialistischen Entwicklung“ gelobt wurde,warf Marcel Reich-Ranicki Kant vor, er sei zu feige, die Wahrheit über die Verhältnisse in der DDR zu schreiben.

1972 erschien der Roman Das Impressum, in dem er seinen Stil weiter perfektionierte. Der Veröffentlichung war eine mehrjährige Auseinandersetzung mit Teilen der DDR-Kulturbürokratie vorausgegangen, bei der man Kant eine Fehldarstellung gesellschaftlicher Konflikte vorwarf. 1976 veröffentlichte er den Entwicklungs- und Bildungsroman Der Aufenthalt. Erzählt wird die Geschichte Mark Niebuhrs, eines irrtümlich als Kriegsverbrecher inhaftierten Deutschen. Mit den positiven sozialistischen Romangestalten hat Kants „Held“ nichts mehr zu tun. Keine vorbildliche „Wandlung“ wird beschrieben, keine „Bekehrung“ oder „Erleuchtung“, sondern Erkenntnis durch „Ernüchterung“. 1983 folgte die DEFA-Verfilmung Der Aufenthalt.

Daneben schrieb Kant gelegentlich auch Drehbücher und Szenarios, so für Günter Reischs Spielfilm Ach, du fröhliche … (1962 - mit Nebenrolle) und, nach einer eigenen Erzählung, für Ulrich Theins Fernsehfilm Mitten im kalten Winter (1968).

Ab den 1970er Jahren nahm Kant trotz seines eher schmalen Œuvres einen „gewichtigen Stellenwert“ in der Gegenwartsliteratur der DDR ein und hatte sie „unübersehbar mitgeformt“. Heiner Müller beispielsweise bezeichnete Kants Erzählung Bronzezeit (1986) in seiner Autobiographie als „die schärfste DDR-Satire“, die er in den letzten Jahren gelesen habe. Für viele andere Kollegen, Literatur- und Gesellschaftskritiker war Kant dagegen zum „Muster und Inbegriff des ebenso wendigen wie windigen Kompromissliteraten“ geworden, der zwischen Konformismus und Konfrontation laviert; ein Eindruck, der durch seine schwankende Haltung als Literaturfunktionär verstärkt wurde. So blieb Kant in Ost und West „eine der umstrittensten Figuren der DDR-Literatur.“

In der Nachwendezeit erschienen zunächst Kants Autobiographie Abspann (1991), in der er „viele Kunstmittel nutzt, um seine Position, sein Verhalten und sein Handeln in der DDR in ein helles und freundliches Licht zu rücken“ (P. G. Klussmann), sowie der Roman Kormoran (1994). Seine beiden letzten Romane waren ebenfalls autobiographisch geprägt: Der „Rechtfertigungsroman“ Okarina (2002), in dem die Hauptfigur des Buchs Der Aufenthalt, Mark Niebuhr, wieder vorkommt, erzählt dessen Wandlung vom Wehrmachtssoldaten zum Antifaschisten. In Kino (2005) beobachtet ein alter Schriftsteller in der Hamburger Fußgängerzone die Vorbeigehenden.

Preise
1962 Heinrich-Heine-Preis des Ministeriums für Kultur der DDR
1963 Literaturpreis des FDGB
1967 Heinrich-Mann-Preis
1973 Nationalpreis der DDR
1976 Vaterländischer Verdienstorden in Silber
1978 Ehrentitel Held der Arbeit
1980 Ehrendoktor der Universität Greifswald
1983 Nationalpreis der DDR I. Klasse für Kunst und Literatur
1986 Vaterländischer Verdienstorden in Gold
1986 Orden der Völkerfreundschaft des Obersten Sowjets der UdSSR

Werke
Ein bisschen Südsee, Erzählungen, Rütten & Loening, Berlin 1962.
Die Aula, Roman, 1965
In Stockholm, Reisebeschreibung, 1971
Das Impressum, Roman, 1972
Eine Übertretung, Erzählungen, 1975
Der Aufenthalt, Roman, 1977
Der dritte Nagel, Erzählungen, 1981
Zu den Unterlagen, Publizistik, 1957–1980
Bronzezeit, Erzählungen, 1986
Die Summe, Satire, 1987
Abspann, Erinnerungen, 1991
Kormoran, Roman, 1994
Escape, Ein WORD-Spiel, 1995
Okarina, Roman, 2002
Kino, Roman, 2005
Die Sache und die Sachen, Gespräch mit Irmtraud Gutschke, 2007
Kennung, Roman, 2010
Lebenslauf. Zweiter Absatz, Aufbau Verlag, Berlin 2011 ISBN 978-3-351-03344-6

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