Kolossale Chose:

Frank, Ekkes

Ekkes-Gitarre1Geboren in Heidelberg am 24. Juli 1939 als Ekkehard wurde er schon als Gymnasiast „Ekkes“ gerufen, was er später als Künstlername nutzte. Nach dem Abitur 1958 – ausgezeichnet mit dem Scheffelpreis und dem Preis für besondere Leistungen auf dem Gebiet der Malerei – immatrikulierte er sich an der Heidelberger Universität zunächst in den Fächern Philosophie und Kunstgeschichte, zum Teil aus Interesse, zum Teil aus Unschlüssigkeit, was er beruflich einmal machen wollte. Das war in jenen – von heute her gesehen – goldenen Jahren der frühen Bundesrepublik noch straflos möglich, auch dass er mehr Zeit als in Hörsälen in Jazzkellern verbrachte, als Dixielandpianist, oder als Lokalreporter des „Heidelberger Tageblatt“. Der Wechsel zum Studium der Rechte war dann die Folge einer eher zufälligen Begegnung mit einem Vetter seiner Mutter, einem besessenen und deshalb auch sehr erfolgreichen Rechtsanwalt.
Das Studium setzte er ab 1960 in München fort. Im dortigen Studentenwohnheim der Evangelischen Studentengemeinde machte er dann zum ersten Mal die Erfahrung, wie viel Beifall ein pointierter Kabarett-Text selbst bei noch laienhaftem Vortrag bringen kann. So gründete er 1964, kurz vor seinem ersten juristischen Staatsexamen, zusammen mit Kommilitoninnen und Kommilitonen an seinem neuen Wohnort, der gerade frisch eröffneten Studentenstadt Freimann, das Studentenkabarett „Die Stichlinge“. Deren Erfolge, vor allem mit dem 4. Programm „Rechtzeitig einordnen“ (1967), vor allem auf Grund der zum großen Teil von ihm geschriebenen Texte, ließen eine schöne Karriere in diesem Metier erwarten. Das KOM(M)ÖDCHEN, Düsseldorf, eines der renommiertesten Ensembles der bundesdeutschen Kleinkunst, hatte ihn bereits als Autor unter Vertrag genommen.
Wie so manche andere schöne Erwartung in jenen Jahren wurde auch diese enttäuscht durch das, was heute summarisch als „68“ bezeichnet wird. Auch Ekkes Frank engagierte sich und legte auf bisher ihm wichtige Dinge weniger Wert. Nicht nur die Stichlinge lösten sich auf, auch die Zusammenarbeit mit den Promi-Kollegen am Rhein war nach einem Programm beendet. Der Sozialismus in der Bundesrepublik, vor dessen Verwirklichung der Kabarett-Papst Klaus Budzinski die von ihm mitbesetzte Universität München nicht zu verlassen versprach, kam aber nicht. So wandte sich auch Ekkes Frank wieder realistischeren Projekten zu. 1969 schaffte er das zweite Staatsexamen. Und war somit Volljurist.
Auch Ehemann (seit 1964) und Vater einer Tochter (seit 1966) war er inzwischen, da kam das Angebot vom Süddeutschen Rundfunk Stuttgart, Abteilung Fernsehen, sehr passend, für ein ordentliches Honorar die neu gestartete Quiz-Serie „Wer dreimal lügt“ zu betreuen, zunächst als Co-Autor, bald darauf als Produzent. Sein weiterhin sehr starkes Interesse an politischen und sozialen Fragen führte Ekkes Frank dann auch zu den Jugendsendungen „Elfeinhalb“ des gleichen Senders und der Co-Produktion von SDR, HR und Radio Bremen „Diskuss“, wo er die jeweiligen Diskussionen zwischen Jugendlichen und Politikern und Politikerinnen moderierte, die gelegentlich einen sehr turbulenten Verlauf nahmen. Später arbeitete er auch als Mit-Autor für die Fernsehserie „Goldener Sonntag“ (SDR) und den satirischen Film „Ein Tag mit dem Star deiner Träume“ (WDR).  1971 erschien im Quer-Verlag Hamburg die von ihm neu getextete und gezeichnete „Max und Moritz“-Parodie „Ma(r)x und Engels“. Der nicht unerwartet folgende Kontakt zur neu gegründeten DKP blieb erhalten, führte aber nie zu einer Mitgliedschaft wie bei vielen Kolleginnen und Kollegen von ihm aus der „Szene“.
Mitte der 70er Jahre dann ein erneuter Kurswechsel: die Ehefrau konnte, als inzwischen fertige Apothekerin, leichter den Lebensunterhalt für vier (seit 1970 war auch ein Sohn dabei) beschaffen; so wurde Ekkes Hausmann, für die nächsten sieben Jahre. Nebenher schrieb er, für den Hörfunk, zunächst nur für den SDR, Sendestelle Heidelberg, später dann auch für HR, BR, SWR, SR, Deutsche Welle und besonders den WDR, in den Reihen „Zugabe“ oder „Morgenecho“. Das Spektrum reichte von kurzen Glossen und Satiren, meist politischen Inhalts, über Sketche, Kurzhörspiele, Serien, Szenen bis hin zu Stunden-Hörspielen, darunter elf im Bereich Science Fiction und drei in seiner Mundart, auf Pfälzisch. Gedruckt erschienen von ihm in der Satire-Reihe rororo-Tomate „So ist's Recht“ (1989) und „Du mich auch...?!“ (1991). Auch Ausflüge ins Fernsehen gab es immer mal wieder, zuletzt für RTL mit Beiträgen für die Comedyserie „Samstag Nacht“ (1994 – 1997) und für „Quiz 21“ (2000), moderiert von Hans Meiser.
Neben diesen Arbeiten als Autor aber faszinierte Ekkes Frank auch immer, was er mit den Stichlingen erlebt hatte, also der direkte Kontakt mit dem Publikum, und so begann 1972 eine weitere Karriere – als Liedermacher. Nachdem vom SWR eine private Aufnahme mit acht von ihm geschriebenen und komponierten Songs gesendet worden war, wurde er schnell von allen möglichen Veranstaltern eingeladen. Obwohl sozusagen ein „Spätkommender“ auf diesem Gebiet – die Burg-Waldeck-Festivals waren 1969 beendet – schaffte er es, sich einen Namen zu machen und trat dann oft auch gemeinsam mit bekannteren Kollegen auf wie Franz Josef Degenhardt, Dieter Süverkrüp, Hannes Wader und Konstantin Wecker, bei Festivals wie in Tübingen oder Mainz, den UZ-Festen oder beim Abschlusskonzert der Großveranstaltung „Künstler für den Frieden“ 1982 in Bochum; auch zum Festival des politischen Liedes 1976 in Ost-Berlin wurde er eingeladen. Einen besonderen Schwerpunkt seiner Arbeit als Liedermacher bildeten die Themen Friedensbewegung und die BRD-Berufsverbote in den 70er Jahren. Insgesamt fünf Langspielplatten und zwei CDs gibt es von ihm, darunter auch mit seinem damaligen „Hit“ zur politischen Entwicklung der SPD, der Charles-Aznavour-Parodie „Du lässt dich gehn, ach...“ und dem Lied „Mensch Mädchen“, das dann sogar Eingang in Schulbücher fand.
Nach der Trennung von seiner Frau 1982 und der folgenden Scheidung zog Ekkes Frank nach Frankfurt und dort dann 1984 mit der TV-Journalistin Ingelis Gnutzmann zusammen. Ab 1990 lebten und arbeiteten die beiden in Köln. Und seit 2003 verwirklichen sie sich einen frühen Traum: in den italienischen Marken, nahe Ancona, betreiben sie in einem renovierten ehemaligen Bauernhof ein „Bed & Breakfast“. Ganz untreu wurde Ekkes seinen früheren Betätigungen aber nicht: von 2001 bis 2004 stellte er die Satire „Der TransDemokrat“ ins Internet; und zwischen August 2006 und Juli 2007 geschrieben erschien zur Leipziger Buchmesse 2010 im Berliner Verlag Kulturmaschinen sein erster Roman STÖRUNGEN.
Oktober 2010

Ekkes Frank: Störungen
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Ekkes Frank: Störungen
Das Geschehen spielt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Verwicklungen in die "68ger"-Ereignisse, die Zustände in der DDR und der BRD, die persönlichen Entwicklungen: Störungen allenthalben. Facettenreich schildert der Roman Lebenwirklichkeite
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