Kolossale Chose:

Gogolin, Peter H.

webfotoPeter H. Gogolin

Peter H. Gogolin wurde 1950 im schleswig-holsteinischen Holstendorf geboren, wenige Kilometer von Scharbeutz und Timmendorf. Er fühlt sich noch immer als ein Kind der See, obwohl er die Küste schon als Dreijähriger verlassen hat. Aufgewachsen ist er im Ruhrgebiet der 50er Jahre. Die Kindheit als ältestes von sechs Geschwistern im „Pott“ zwischen Kriegsruinen und Bergarbeitersiedlungen hat ihn geprägt.
Nach dem Abitur studierte er Medizin an der Universität Hamburg und begann eine Ausbildung zum Psychoanalytiker. Währenddessen schrieb er seinen ersten Roman, „Seelenlähmung“. Er erzählt darin ein westdeutsches Nachkriegsleben, in dem sich die Schrecken der Kindheit mit der kollektiven historischen Vergangenheit verhängnisvoll verbunden haben. Die daraus erwachsenden Konflikte hindern seine Figuren daran, Lösungen für ihr Leben zu finden – ein Thema, das Gogolins Literatur seither durchzieht. Die komplexe Erzählstruktur des Romans ist aus fünf Textebenen aufgebaut, die sich allmählich zum Gesamtmuster einer Existenz verbinden.

Der Roman „Seelenlähmung“ erschien 1981 und erlebte ein viel beachtetes Debüt. Seither lebte Peter H. Gogolin als freier Schriftsteller in Hamburg. Er engagierte sich im Schriftstellerverband, organisierte Lesungen und Literaturgruppen und bewegte sich in den Autorenkreisen um Walter Kempowski und Dieter Wellershoff, der sein erster Lektor war. Er schrieb Gedichte, Erzählungen und Filmdrehbücher, fungierte als Herausgeber von Anthologien und arbeitete verstärkt im Kulturjournalismus.

Sein Roman „Seelenlähmung“ wurde für den Aspekte-Literaturpreis nominiert und erhielt den Literaturförderpreis der Stadt Hamburg.

Sein zweiter Roman „Kinder der Bosheit“ wurde durch ein Arbeitsstipendium des Deutschen Literaturfonds in Darmstadt gefördert und erschien 1986. „Kinder der Bosheit“ ist ein radikales Fazit der Schäden, die der Zweite Weltkrieg den Menschen zugefügt hat. Der Roman erzählt auf zwei Handlungsebenen die Geschichte der verlorenen Generation des Krieges und Nachkriegs. Für den Roman „Kinder der Bosheit“ erhielt er den Rompreis der Deutschen Akademie Villa Massimo. Das geschichtsträchtige, ereignisreiche Jahr 1989 verbrachte er in Rom.

Er erhielt die Autorenstipendien des Künstlerdorfs Schöppingen, des Künstlerhofs Schreyahn im Wendland und des Esslinger Stadtschreibers. Er wandte sich verstärkt dem Schreiben von Kurzprosa, Filmdrehbüchern sowie Theaterstücken zu und veröffentlichte mehrere Gedichtbände. Daneben etablierte er sein eigenes „Literaturbüro“ im Internet, in dem er Autoren coacht.

Sein Theaterstück „Das Geheimnis des Alten Waldes“, eine theatrale Bearbeitung des gleichnamigen Romans von Dino Buzzati, wurde in der Inszenierung durch das Puppentheater Halle 2005 mit dem Marburger Kinder- und Jugendtheaterpreis ausgezeichnet. In seinem Monodrama „Eistage“ setzte er sich mit der Frage nach der Schuld des Einzelnen am Beispiel eines KZ-Aufsehers auseinander, angelehnt an das Schicksal des Ukrainers John Demjanjuk.

Die Förderung des Deutschen Literaturfonds ermöglichte ihm eine ausführliche Recherchenarbeit für seinen dritten Roman „Calvinos Hotel“, der seine Deutschland-Trilogie abschließt. Die Idee zu dem Roman wurde durch die dramatischen Ereignisse des Bosnienkrieges ausgelöst. Gogolin schildert in diesem Buch das Schicksal eines deutschen Generals und seiner Familie, der mit der geheimen Einsatzplanung der NATO im Balkankonflikt befasst ist, über den Zeitraum eines halben Jahrhunderts. Ausgehend von den Jahren 1994/95 erzählt der Roman die Vergangenheit der Familie zurück bis ins letzte Jahr des Zweiten Weltkrieges.

Über die inhaltliche Seite seiner Bücher hinaus orientiert sich Gogolin von Anbeginn seines schriftstellerischen Schaffens an den entwickelten Romanformen der literarischen Moderne des 20. Jahrhunderts und hat ein starkes Interesse, diese Formen weiterzuentwickeln. Besonders faszinieren ihn mögliche Verfahren der Zeitbehandlung in Erzähltexten, da er von der Anwesenheit der Vergangenheit in der Gegenwart ausgeht und dies in den zeitlichen Erzählstrukturen seiner Romane auch abbilden möchte. Die Geschichte, sagt Gogolin, ist dem Leben nicht äußerlich und schon gar nicht vergangen. Sie geht vielmehr mitten durch das Herz der Menschen hindurch.

Heute lebt Peter H. Gogolin mit der Schriftstellerin und Theaterregisseurin Jutta Schubert im Rhein-Main Gebiet.

Beim Kulturmaschinen Verlag liegt mit der Veröffentlichung der Neufassung des Romans „Kinder der Bosheit“ nun die Deutschland-Trilogie des Autors geschlossen vor. Der erste Band „Seelenlähmung“ erschien, ebenfalls in einer Neufassung, bereits 2012. Mit dem Abschlussband „Calvinos Hotel“ hat der Verlag 2011 die Veröffentlichung der Werke von Peter H. Gogolin begonnen. Die einzelnen Teile der Trilogie sind in sich abgeschlossen und unabhängig von einander lesbar.

Für die Presse und interessierte Leser publiziert der Verlag zudem Peter H. Gogolins autobiografischen Essay „Das Gewicht der Zeit oder Der lange Weg einer Romantrilogie“ . Die Einnahmen aus dieser Publikation gehen auf Wunsch des Autors an den Förderverein Löwenherz & friends e.V., der an Leukämie erkrankte Kinder unterstützt.

Stand: 21. Juni 2015



Peter H. Gogolin: Calvinos Hotel
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Peter H. Gogolin: Das Gewicht der Zeit
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Peter H. Gogolin: Kinder der Bosheit
Peter H. Gogolin kehrt mit diesem Roman in die Landschaft seiner Kindheit zurück, die Holsteinische Ostseeküste. Er wurde 1950 bei Travemünde geboren. Nach einem Medizinstudium arbeitet er seit 1981 als freier Autor und Journalist. Seit 1994 bildet er
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