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Zeit der Monster
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Zeit der Monster

Autor(in): Herausgebergruppe Chris Reitz & Sebastian Schuller
Preis pro Einheit (Stück): 15,00 € (inkl. 7 % MwSt.)

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Die Zeit der Monster?

Die ‚neue‘ Rechte im Neoliberalismus, das Scheitern linker Kritik und Möglichkeiten emanzipatorischer Praxis in Kunst und Akademie

„Die alte Welt liegt im Sterben, die neue ist noch nicht geboren: Es ist die Zeit der Monster“ (Gramsci frei nach Žižek)

Nationalismus, Faschismus und reaktionäre Identitätspolitik kehren auf Europas Straßen zurück, dominieren mediale Diskurse und ziehen in Parlamente ein. Die vorherrschenden Versuche, eine progressive Antwort auf die Herausforderungen der monströsen Identitäten, die beschworen werden, zu formulieren, stehen in der Gefahr zu scheitern. Im Gegenteil; viele Antworten von links erweisen sich in Wahrheit als Affirmation des neoliberalen Status quo. Denn es fehlt eine Analyse und ein begriffliches Verständnis dessen, was das Wesen der sogenannten ‚neuen‘ Rechten ausmacht. Das liegt zum einen an einer dem Pragmatismus geschuldeten Theorieverdrossenheit der politischen Linken, zum anderen an einer Akademie, die ihr kritisches Potential nicht in die gesellschaftliche Debatte einbringt.

Wir, eine heterogene Gruppe Studierender aus verschiedenen geistes- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen, sind der Meinung, dass eine kritische Wissenschaft dem gefährlichen Ungeist unserer Zeit widersprechen muss. Daher wollen wir im Rahmen eines Sammelbandes die Bewegungen der ‚neuen‘ Rechten aus unterschiedlichen Perspektiven analysieren und so zu einem besseren Verständnis als Vorbedingung zur Überwindung dieser Problematik beitragen.

In einem Dreischritt werden dabei zuerst Rhetorik und Ästhetik rechten Sprechens untersucht, daran anschließend sollen die Bruchlinien innerhalb gegenwärtiger linker Kritik nachgezeichnet werden. Schließlich wollen wir Alternativen für progressiv-künstlerische und akademische Praxisformen gegen Rechts diskutieren.

Im ersten Abschnitt wird nach einer Analyse der Hasspamphlete Louis-Ferdinand Célines aus komparatistischer und soziologischer Perspektive untersucht, wie sich die ‚neue‘ Rechte rhetorisch, ideologisch und ästhetisch manifestiert. Eine der Hauptthesen bestimmt den Horror als das eigentliche ‚Genre‘ rechter Ideologie und rechten Erzählens. Im Rahmen vergleichender Lektüren verschiedener neurechter Vordenker aus den USA, Frankreich und Deutschland sollen strukturelle Aspekte dieses ‚Genres‘ hervorgehoben und kontextualisiert werden. Dabei gilt es aufzuzeigen, inwiefern die rechte Theoriebildung in ihren Narrativen und ideologischen Programmen im neoliberalen Denken verankert ist.

Ausgehend von dieser Feldbeschau besteht der Einsatz des zweiten Abschnitts darin, das Unvermögen der gegenwärtigen politischen Linken aufzuzeigen, eine wirksame Kritik sowie eine Alternative zum Bestehenden zu artikulieren. Denn es scheint so, als hätte die politische Linke die grundlegenden Prämissen des Narratives vom Ende der Geschichte verinnerlicht und könne so gerade keinen Weg mehr aufzeigen, wie eine Politik, die nur das bestehende System zu verwalten sucht, verändert werden könnte. Dieses Verharren im ‚Weltinnenraum des Kapitals‘ führt dazu, dass sich vermeintlich linke und rechte Positionen strukturell ähneln, weil sie sich gleichsam in partikularisierenden Identitätskonstruktionen formieren und somit die Möglichkeit eines Denkens des Universellen überhaupt negieren. Sie erschöpfen sich explizit oder implizit in der Affirmation des individualisierenden Marktgeschehens im Neoliberalismus. Aus diesem atomisierenden Individualismus, so die im abschließenden Teil vertretene These, kann durch eine Politisierung der Kunst und eine Öffnung des intellektuellen Milieus hin zu andere Formen akademischer Praxis sowie eine Re-Politisierung der Universität als kollektiver Bildungsstätte ausgebrochen werden. Diesen Standpunkt werden wir an der Untersuchung konkreter Beispiele sowie allgemeinen Überlegungen zum widerständigen Potential der Künste wie der Wissenschaften exemplifizieren.

In einer Zeit, die vielleicht schon eine Zeit der Monster ist, ist es nötig, auch und gerade in der Wissenschaft, an den Universitäten einen klaren Standpunkt gegen jene rechten Tendenzen einzunehmen. Mit diesem Sammelband wollen wir dazu einen Beitrag leisten und einen Anstoß geben für eine engagierte und kritische Akademie.