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Peter H. Gogolin: Kinder der Bosheit
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Peter H. Gogolin: Kinder der Bosheit

Autor(in): Gogolin, Peter H.
Preis pro Einheit (Stück): 26,80 € (inkl. 7 % MwSt.)

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»Paul blieb erschrocken stehen und lauschte auf den Donner, der sein Herz wilde Sprünge machen ließ. Es klang, als stürzten große Steine gegeneinander was ist das denk nicht dran es ist nur der Donner denk nicht dran die Luft war sehr warm und ohne eine Bewegung. Gegen das Meer hin stand eine breite weiße Wolkenwand reglos am Himmel, doch ihre Unterseite schimmerte, als sei sie in grünes und schwarzes Wasser getaucht. Für Sekunden glaubte er, das Meer sei zu den Wolken emporgeklettert. Er hatte den verschilften Teil des Moores erreicht, die schlanken Halme standen erstarrt in ihrem silbriggrau überdeckten Grün, und er hätte mit der Hand nach ihnen greifen können. Dann klang der Donner erneut auf, was ist das wohin bringst du mich schau nicht hin es ist nur der Donner es ist gar nichts sie hatte eine feuchte Wolldecke um ihn gewickelt, die auch sein Gesicht bedeckte, er atmete gegen die Feuchtigkeit an, aber er spürte trotzdem die Hitze sie trug ihn ja fort sei still sei still nur der Donner es ist nur der Donner. Er war jetzt sicher, dass der Donner näher kommen würde und ging weiter, aber das Moor war so still, dass auch er selbst sich nur wie verzögert bewegte und nicht fest auftreten mochte. Sie nahm die Decke um ihn fort jetzt ist alles gut sei still bitte sei still er sah fremde Gesichter in der Dunkelheit neben einem Koffer flackerte eine Kerze sei doch still fremde Gesichter und Kellerwände sei doch still die Stadt brennt sei still.«
(Textauszug aus »Kinder der Bosheit«)

»Wer Gogolins Roman ... aufschlägt, wird schon nach den ersten Seiten benommen sein nicht nur von der mitreißenden, verzweigten Geschichte, die sich da öffnet, sondern von der sprachlichen Weite, in der sie erzählt ist, von der Klarheit und Unängstlichkeit und – von der Schönheit.«

September 1946: Auf einem Gutshof an der deutschen Ostseeküste wächst der zehnjährige Paul bei seiner Großmutter und der Tante auf. Seine Mutter hat ihn während des Hamburger Feuersturms 1943 gerettet und auf dem Hof ihrer Eltern zurückgelassen. Inmitten einer Welt nach der Katastrophe, in der die Türen zur Vergangenheit des gerade beendeten Weltkrieges noch weit offenstehen, versucht der mutterlose Paul sein Leben zu behaupten und einen eigenen Weg zu finden.

Sommer 1984:
In einem Hamburger Krankenhaus stirbt der ehemalige KZ-Aufseher Karl-August Göppinger. Seine letzten Stunden konfrontieren ihn mit der Schuld seines Lebens, vor der er seit dem Ende des Krieges zu fliehen versucht hat. Paul, inzwischen 48 Jahre alt, arbeitet auf Göppingers Station als Krankenpfleger. Er versieht seinen Nachtdienst am Bett des Sterbenden, ohne zu erkennen, dass sein Patient ihm in der Kindheit auf dem Gutshof der Großmutter bereits begegnet ist. Mit der Neufassung seines Romans »Kinder der Bosheit« kehrt Peter H. Gogolin in die Landschaft seiner Kindheit zurück. Er erzählt von einer Welt, die inzwischen verschwunden scheint, doch in den Herzen weiterlebt, angesichts des weltweiten Flüchtlingselends aktueller denn je.

Zur Entstehungsgeschichte seiner Deutschland-Trilogie veröffentlicht der Verlag im Nachgang zur Trilogie Peter H. Gogolins Essay »Das Gewicht der Zeit oder Der lange Weg einer Romantrilogie«.

272 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, Format 135 x 215 mm