Sukov, Leander

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 Sukov, Leander



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leanderteufelLeander Sukov, 1957 in Hamburg geboren, schreibt seit seiner Jugendzeit. Er hat früh schon Gedichte in einer Anzahl Literaturzeitschriften veröffentlicht. Kurzgeschichten und Novellen folgten.

Sukov sieht sich nicht als postmoderner Autor. Er lehnt den Begriff „Postmoderne“ als inhaltsleer und als reine Hilfskonstruktion für den Bereich der Künste und der Literatur ab und hält ihn im Bereich der politischen Philosophie für einen ideologischen Kampfbegriff. Seiner Meinung nach dient die „Postmoderne“ auf der einen Seite der Verschleierung der Verhältnisse und auf der anderen zur Verhinderung von Widerstand. Es werde nach Meinung Leander Sukovs eine Sicht auf die Welt geschaffen, die letztlich esoterisch ist und dazu dient die Individuen zu vereinzeln, statt sie zu einem kollektiven Widerstand gegen Imperialismus, Umweltverbrechen oder technologisiertem Demokratismus zusammen zu führen. Ein „Ende der Geschichte“ kann Sukov Meinung nach nicht stattfinden – auch nicht unter einer richtigen Auslegung der falschen Ansichten Fukuyamas; bei Geschichts- und anderen Wissenschaften handele es sich auch nicht um „Große Erzählungen“, sondern um das jeweilige Wenden von Tatsachen im Rahmen von Klasseninteressen.

Sukovs Werk ist im Grundsatz immer politisch. Der Autor selbst lehnt die Idee des Unpolitischen ab. Es gäbe, so Sukov, keine unpolitischen Handlungen. Jede Lebenstätigkeit hat immer auch eine in die Gesellschaft, also die Polis, wirkende Komponente, die Kausalität könne nicht durchbrochen werden. Wer sich also heraushalten wolle, hielte sich gar nicht heraus: Er stütze immer die Verhältnisse, gegen die er nicht antrete. Es ergebe sich zwangsweise eine negative Handlungsperspektive, auch ohne direkte Handlung.

Freiheitsrechte, insbesondere Meinungs- und Pressefreiheit, aber auch die Freiheit seine Lebensart nach eigenem Gusto zu wählen, sind Bestandteil des Schaffens Sukovs. Er, der radikale Demokrat, der von sich sagt, er wäre, neben anderem auch eine Wertkonservativer, denn er wolle die entscheidende Werte, die Errungenschaften der Citoyen erhalten, hält infolgedessen Freiheit aber nicht nur für einen Begriff, der vage Rechte beschreibt, sondern für etwas, das reale Möglichkeiten bieten muss. Eine Freiheit, die von Determinanten abhängig ist, welche für die meisten Menschen nicht zu erbringen sind, sei keine Freiheit, sondern eine Schimäre. Zur Freiheit gehört für Sukov die Teilhabe an Kultur und Kunst, die Möglichkeit zu kommunizieren und sich zu informieren, die Möglichkeit Koalitionsfreiheit auch wahrnehmen zu können. Und die Möglichkeit zu haben bedeutet, in einen sozialen Stand gesetzt zu werden, der fern von Ausbeutung, von Marginalisierung, von Armut gar, es ermöglicht mehr im Leben zu tun, als für das Überleben zu sorgen.

Leander Sukov ist seit seiner Jugendzeit politisch aktiv. Es ist dehalb auch keine Attitüde, dass politisches Bewustsein seine Arbeiten durchdringt. Er war Mitglied der SPD (Jusos in Hamburg, Stamokap-Flügel) und u.a. in der Studentenbewegung der 80ger Jahre aktiv als Geschäftsführer der Vereinigten Deutschen Studentenschaften; zuvor war in Hamburg aktiv in der Schülerbewegung und Ende der Siebziger aktiv am großen Schülerstreik gegen den Gesetzentwurf des Hamburger Senats für ein neues Schulgesetz beteiligt. Sukov trat Ende der Neunziger aus der SPD aus.

Sukov schreibt sowohl Prosa als auch Lyrik. Seine Dichtung bewegt sich im Spannungsverhältnis von Neo-Realismus und Neo-Romantik. Seine Werke sind häufig in scheinbar idealistischer Weise rebellisch gefärbt und stützen sich auf ein humanistisches Weltbild. Mystische Bilder in den Geschichten und Gedichten ergeben sich bei Sukov aus dem Bindeverhältnis des Gegenwärtigen zur Vergangenheit, also aus dem ständigen Fluss des umfassenden Geschehens.
Sukov sieht im Jetzt das jeweils kurzlebige Ergebnis eines kybernetischen Prozesses des Vergangenen, der so vielschichtig ist, dass er, der Prozess, selbst keine vollständige Erklärung seines Seinszustandes mehr zulässt, sondern nur noch doch abstrakte (im hegelschen Sinne) Erzählungen teilverknüpft werden kann. Dabei werden Tendenzen aufgezeigt. Diese Entwicklungszüge befinden sich in einem ständigen Prozess. Das Leid des Menschen als konkretes Wesen, losgelöst von der abstrakten Rationalität der Welt und eingeschlossen in ein eigenes Sein, ist der durchgängige rote Faden des Werkes.

Dabei glaubt Sukov nicht an Vorbestimmtheit und Schicksal, sondern an die Gestaltungskraft des Individuums, die jedoch selten nur stark genug ist, den kybernetischen Prozess, also das angestaute Sein, zu verändern. Das Individuum bleibt dabei Individuum und folglich brechbar, auch dann, wenn es Teil eines Kollektiven wird, weil ein Kollektiv für Sukov nicht eine Form an und für sich ist, sondern die Summe von Individuen mit Interessenkongruenz. Doch muss der einzelne Mensch immer wieder versuchen, aus dem allgemeinen Elend aufzusteigen und also die Misere hinter sich und damit hinter der Gegenwart zu lassen. Sukovs Geschöpfe scheinen dabei durchaus als altruistische oder solidarische Wesen auf, bleiben aber jeweils in ihrer eigenen Seinskugel gefangen. Die Figuren kämpfen letztlich gegen Leid, Ausbeutung und Lieblosigkeit aus Einsicht in die Notwendigkeit von humanistischer Weltgestaltung und Eigeninteresse. Sukov selbst beschreibt sich als in der Tradition bestimmbarer Teile des Existentialismus (Döblin u.a.) stehend und sieht sich als Neoexistentialisten. Strikt lehnt er es ab, seiner Zuordnung zur Postmodernen zuzustimmen. Die Postmoderne ist für ihn der Versuch hinter die Aufklärung und damit hinter Methoden wissenschaftlicher Arbeit und erworbener gesellschaftlicher Erkenntnis zurückzufallen. Das stelle den Versuch dar, den Fluss der Zeit umzukehren und also die Bestrebung, etwas zu tun, was nicht getan werden kann (weil es gegen allgemeine Prinzipien verstößt) und nicht getan werden sollte (weil es gegen Humanismus, Altruismus und Solidarität verstößt).

Für Leander Sukov ist die individuelle Freiheit die entscheidende Größe seiner Ethik, allerdings ist diese Freiheit gebunden an die das Individuum umgebende Sphäre und damit an das Mitleiden an der Welt. In der Kritik wird Sukov mit Handke und Antunes verglichen.

Expressionistisch auch ist Sukovs Sprache, seine starken Bezüge auf städtische Räume, Technik und Technologie, die Auseinandersetzung des Individuums als Teil eines Ganzen mit dem Ganzen (also eine dialektische Auseinandersetzung) und seines Verlangens, auch des sexuellen.

Leander Sukov ist Mitglied des Verbandes deutscher Schriftsteller und mehrerer Literaturvereinigungen, darunter u.a. die Tucholskygesellschaft und die Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik, sowie der Patriotischen Gesellschaft.

Seit 2013 ist Leander Sukov Mitglied des deutschen PEN-Zentrums.