Peter H. Gogolin : Isoldes Liebhaber

16,00 

 

„Isoldes Liebhaber“ versammelt auf 250 Seiten 3 Novellen, die vom Einbruch des Irrationalen in die Welt erzählen. Ob Isolde ihre große Liebe vor den Übergriffen der toten Mutter zu retten versucht, Hugenauer in „Das Licht im Auge“ erkennen muss, dass alles um ihn her und auch er selbst fremd-gesteuert wird, oder Alwin Fall in „Das Freese-Manuskript“ auf die andere Seite des Spiegels gerät, wo Schatten das wahre Sein behaupten, immer erzählt Gogolin von der Brüchigkeit unserer Realität und aller Gewissheiten.

Peter H. Gogolin, Isoldes Liebhaber
3 Novellen, ca 250 Seiten, kartoniert
ISBN 978-3-96763-065-7

Artikelnummer: 978-3-96763-065-7 Kategorie: Schlagwörter: , , , ,

Beschreibung

Beschreibung

„Isoldes Liebhaber“ versammelt auf 250 Seiten 3 Novellen, die vom Einbruch des Irrationalen in die Welt erzählen. Ob Isolde ihre große Liebe vor den Übergriffen der toten Mutter zu retten versucht, Hugenauer in „Das Licht im Auge“ erkennen muss, dass alles um ihn her und auch er selbst fremd-gesteuert wird, oder Alwin Fall in „Das Freese-Manuskript“ auf die andere Seite des Spiegels gerät, wo Schatten das wahre Sein behaupten, immer erzählt Gogolin von der Brüchigkeit unserer Realität und aller Gewissheiten.

Peter H. Gogolin, Isoldes Liebhaber
3 Novellen, ca 250 Seiten, kartoniert
ISBN 978-3-96763-065-7

 

 

 

Autor_in

Autor_in

Peter H. Gogolin

Peter H. Gogolin besuchte ab 1956 eine Volksschule in Dortmund und eine Handelsschule. Anschließend absolvierte er eine kaufmännische Lehre. Er leistete seinen Wehrdienst und war bis 1971 als Industriekaufmann tätig. Daneben holte er in Bremen auf dem Zweiten Bildungsweg das Abitur nach und studierte anschließend Medizin an der Universität Hamburg. Ab 1978 lebte er als freier Schriftsteller in Hamburg. 1994 gründete er ein Literaturbüro, das u. a. Autoren ausbildet und coacht, sowie Schreibkurse für angehende Schriftsteller anbietet. Gogolin lebt heute in Wiesbaden. Er ist Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland.[1] Peter H. Gogolin ist Verfasser von Romanen, Erzählungen, Essays, Gedichten, Theaterstücken und Drehbüchern. Peter H. Gogolin erhielt u. a. 1982 den Literaturförderpreis der Stadt Hamburg, 1982, 1983 und 1995 ein Stipendium des Deutschen Literaturfonds in Darmstadt, 1989 ein Stipendium der Villa Massimo, 1990 ein Stipendium des Künstlerdorfes Schöppingen und ein weiteres des Künstlerhofes Schreyahn, 1992 das Amt des Esslinger Stadtschreibers sowie 2005 den Wolfgang-A.-Windecker-Lyrikpreis. Die Inszenierung seines Stückes "Das Geheimnis des Alten Waldes" durch das Puppen-Theater der Stadt Halle/Saale erhielt 2005 den Marburger Kinder- und Jugendtheaterpreis. Werke Seelenlähmung, Kiepenheuer und Witsch 1981 Kinder der Bosheit, Kiepenheuer und Witsch 1986 Argonauten, Berlin 1990 (zusammen mit Camill Leberer) Das Geheimnis des Alten Waldes, Theaterstückverlag München 1994 Eistage, Theaterstückverlag München 1996 Ich, nichts, vorbei, Ed. Art Management Hamburg 1999 Schnee auf neuen Gipfeln, Ed. Art Management Hamburg 2003 Fast schwebend, Ed. Art Management Hamburg 2010 (zusammen mit Dieter Gogolin) Calvinos Hotel, Kulturmaschinen Berlin 2011 Seelenlähmung, überarb. Neufassung, Kulturmaschinen Berlin 2012 Das Herz des Hais, Kulturmaschinen Berlin 2012 Kinder der Bosheit, überarb. Neufassung, Kulturmaschinen Ochsenfurt 2015 Das Gewicht der Zeit oder Der lange Weg einer Romantrilogie, Kulturmaschinen Ochsenfurt 2015 Der Mann, der den Regen fotografierte, Axel Dielmann Verlag Frankfurt 2017

Leseprobe

Leseprobe

Die Echtheit des in Sammlerkreisen zu einiger Bekanntheit gelangten Freese-Manuskriptes ist verschiedentlich angezweifelt worden. Hielt man es anfangs, nachdem das Autograph bei Abbrucharbeiten im ehemaligen Gasthaus Freese gefunden worden war, für ein verschollenes Buch des Autors Rudolf Ditzen, so konnte ein Handschriftenvergleich auch den Verdacht einer Fälschung nicht ausräumen, obwohl das Alter des Papiers und der allgemein schlechte Zustand des Textes (ein Konvolut von 110 einseitig beschriebenen DIN A4-Seiten) für die Ditzen-Hypothese zu sprechen schien. Der Erfolgsautor Ditzen, der sich in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts wiederholt auf die Insel Hedinsöe zurückgezogen hatte und dabei im Freeseschen Gasthaus gewohnt und gearbeitet haben soll, war zu Lebzeiten als schwerer Trinker verrufen, sodass mit einer stabilen Handschrift kaum gerechnet werden kann. Der Text weist dann auch ein höchst uneinheitliches Schriftbild auf und scheint mit großer Hast verfasst.
Erschwerend kommt hinzu, dass der im Manuskript als Erzähler auftretende Alwin Fall, der einem in Berliner Insider-Kreisen bekannten Fotografen nachempfunden zu sein scheint, seit Jahren verschwunden ist. Ehemalige Freunde glauben ihn im Nahen Osten verschollen, da er sich als Reaktion auf seinen künstlerischen Misserfolg als Söldner dem Kampf gegen den islamischen Extremismus angeschlossen haben soll. Nun: Militem aut monachum facit desperatio. Möglicherweise ist er also bereits tot, wenn auch aus anderen Gründen; tatsächlich schildert das Manuskript ja eine Reise, die eines Cincinnatus C. würdig ist, auch wenn Alwin Fall das Urteil ganz und gar nicht im Flüsterton mitgeteilt bekam.
Wenn die Herausgeber den Text jetzt trotz dieser offenen Fragen in der Originalfassung veröffentlichen, so einerseits, um ihn allgemein zugänglich zu machen, was haltlosen Spekulationen am besten Einhalt gebieten sollte, andererseits weil die Herausgeber sich dadurch Aufschluss über den Verbleib des Ich-Erzähler und möglichen Autors dieses rätselhaften Fundstückes der Literatur erhoffen. Ziehen wir also von der Nacht dieses Textes den Vorhang fort.

CHARLES CEDARN + H. E. NOGLIGO
Oktober
2018, Vicchio di Mugello

 

Die ganze Welt ist in zwei Teile
aufgeteilt, von denen der eine
sichtbar und der andere unsichtbar ist.
Der sichtbare ist nur ein Schatten
und Widerschein des unsichtbaren.
(Sohar I,39)

1
Realität ist das, was auch dann nicht verschwindet, wenn man nicht mehr daran glaubt, habe ich mal gedacht. Das fand ich ziemlich einleuchtend. Heute weiß ich, dass es noch andere Möglichkeiten gibt. Und ich wollte, ich hätte niemals erfahren, was ich jetzt weiß. Am Montagmorgen war ich in meiner engen Kajüte früher als üblich erwacht; ich sah durch das kleine Bullauge zu meiner Linken sofort, dass es draußen über dem Wasser bereits grau zu werden begann. Und ich hörte Nevil in der noch vagen Dunkelheit über Deck stochern, als könne er keine Ruhe finden. Er hatte rechts ein etwas kürzeres Bein, sodass sein Schritt unregelmäßig klang. Wenn er am Abend müde war, benutzte er gern einen Gehstock. Auf dem hölzernen Schiffsdeck hörte ich an diesem Morgen das störrische Tok, Tok, Tok seines Stockes, was mich wunderte und, um ehrlich zu sein, auch beunruhigte. Ich stand auf, um nachzusehen, was ihn so früh hinausgetrieben hatte.
Nevil war mit der Jorrike am vergangenen Abend in einem Gebiet vor Anker gegangen, das so weit abseits der Fährlinien lag, dass sich sogar die Segler fernhielten, weil die Fischer von den Inseln dort ihre Reusen ausgespannt hatten, die sie alle zwei, drei Tage kontrollierten. Er hielt sich, als ich hinter ihn trat, an der Backbord Reling fest und schnappte nach Luft. Dann wandte er sich um, vermutlich weil er mich gehört hatte; ich sah sein gequältes Gesicht.
»Holen Sie den Anker ein, Fall. Wir müssen schnellstens in den Hafen.« Also tat ich, was er verlangte. Als ich zu ihm zurückkehrte, waren wir keine fünf Minuten mehr vor Nydorp und unser Streit begann. Marthe hatte wieder die ganze Nacht hindurch geweint, sodass ich erst spät eingeschlafen war. Ich warf ihm vor, dass er sich nicht genug um Marthe kümmerte, doch er meinte, dass ich mir ihr Weinen nur einbilde. Hätte noch gefehlt, dass er leugnete, sie überhaupt bei sich an Bord zu haben.

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