Das Helgoland, der Höllensturz

19,00 

Der Fischer Pay Edel Edlefsen und sein bester Freund, der Grönländer Qivitoq, werden in eine Reihe von Mordfällen rund um das hollän-dische Frachtschiff St. Laurentius verwickelt. Fanatismus und Liebe sind im Spiel, wo es auf Helgoland eigentlich um Schellfischfang und Robbenjagd gehen sollte. Mit seiner bildreichen Sprache lässt Reimer Boy Eilers, das Rote Eiland im Anfang des 16. Jahrhunderts lebendig werden.

Ein maritimes Lesefutter nicht nur für kalte Winterabende.

Artikelnummer: 978- 3 -96763 -05 7 - 2 Kategorie: Schlagwörter: , , ,

Beschreibung

Beschreibung

Der Fischer Pay Edel Edlefsen und sein bester Freund, der Grönländer Qivitoq, werden in eine Reihe von Mordfällen rund um das hollän-dische Frachtschiff St. Laurentius verwickelt. Fanatismus und Liebe sind im Spiel, wo es auf Helgoland eigentlich um Schellfischfang und Robbenjagd gehen sollte. Mit seiner bildreichen Sprache lässt Reimer Boy Eilers, das Rote Eiland im Anfang des 16. Jahrhunderts lebendig werden.

Ein maritimes Lesefutter nicht nur für kalte Winterabende.

Reimer Boy Eilers, geb. 1948, verlebte die Kindheit auf den Hummerklippen mit einem Onkel als Haifischer und einem Großvater als Leuchtturmwärter. Seine Schwerpunkte sind Reiseliteratur, Lyrik und der Roman. 1984 Shortlist auf der Frankfurter Buchmesse für das beste Debüt. Reisestipendium des Auswärtigen Amtes, Recherchereisen nach Patagonien und Sansibar.

Eilers ist Mitglied im PEN und im Rat für deutsche Rechtschreibung.

Veröffentlichungen u.a.:

  • Wir haben Wölfe gehört
  • (Hrsg. / Anthologie / 2019)
  • Nieren für St. Pauli
  • (Krimi / 2018)
  • Fluchtpunkt Hamburg
  • (Hrsg. / Anthologie / 2018)
  • Sprechen mit Seezungen
  • (Lyrik / 2017)

Autor_in

Autor_in

Reimer Eilers

Reimer Boy Eilers, geb. 1948, verlebte die Kindheit auf den Hummerklippen mit einem Onkel als Haifischer und einem Großvater als Leuchtturm-wärter. Seine Schwerpunkte sind Reiseliteratur, Lyrik und der Roman. 1984 Shortlist auf der Frankfurter Buchmesse für das beste Debüt. Reisestipen-dium des Auswärtigen Amtes, Recherchereisen nach Patago-nien und Sansibar. Eilers ist Mitglied im PEN und im Rat für deutsche Rechtschreibung.

Leseprobe

Leseprobe

Prolog

Wollt Ihr Euch im Himmel balgen,
hebt Euch hurtig an den Galgen.
(Aus dem Moritatenschatz der Landsknechte)
Deät Menskenlewwen es iaan Wensk,
en heepen dait do djeeder Mensk.
Des Menschen Los ist banges Hoffen,
und jedem steht das Wünschen offen.
(Heineri Claasen)

Sturm und Wellen trotzend, liegt ein roter Felsklotz frei in der Nordsee. Auf seiner Ostseite schauen die Sanddünen wie neugierige Robben aus dem Meer. In ihrer Mitte erhebt sich ein weiterer Felsen, schneeweiß wie die Unschuld am Anfang der Welt. Von Westen rollen die immergrünen Wogen gegen die Insel. Sie peitschen die Klippen und zermürben den Felsen, der ihnen alljährlich seinen Tribut zollt. Ein Stück nach dem anderen bricht ab und stürzt in die Flut. Dort vollendet die mahlende See ihr Werk, sodass es in späteren Jahrhunderten kein Helgoland mehr geben wird, wie es auch früher keins gab.
Rasmus ist häufiger Gast in diesen wässrigen Gestaden. Er schätzt es, wenn die Wellen hoch gegen das rote Bollwerk anrennen. Dann werfen sie die Häupter und ihre weißen Bärte in heller Wut gegen den Himmel auf. Im wilden Spiel der ozeanischen Armee, ganz ohne Plan, helfen sie, den Berg an Unrat, den die Bewohner der Inselfeste täglich ins Meer werfen, fortzuspülen, zu verwirbeln und zu verschleudern. Kurzsichtig sind die Menschen, dass sie sich auf das Schalten und Walten der Elemente verlassen. Zu träge leben sie dahin, um sich die Folgen ihres Handelns auszumalen. Mit einfältigem Gemüt schauen sie auf ihre Umwelt, als ob das ungeheure Meer ihr Diener sei, den sie nach Gutdünken behandeln könnten.
An manchen Tagen ist Rasmus den Bewohnern des winzigen Eilands geneigt. Dann kleidet er die Seehaut wie Seide, schickt Seepferdchen an den Strand und verschenkt Meeresfrüchte nach Belieben. Gut gelaunt führt er die Fischer mit einer Meeresströmung an der Nase herum, bis das Witte Kliff nur noch als blassblaue Wetterwand vor ihren Augen steht und die rote Klippe sich einzig als Widerschein der sinkenden Sonne zu erkennen gibt. Lachend dreht Rasmus die Menschlein im Kreise von Ebbe und Flut und schickt die Fischer mit derselben Strömung Richtung Heimat in den Hafen. Es gibt hier keine Quais und keine Molen, keine Brücken oder Promenaden. Doch bei ruhiger Stimmung sind die Buchten der Insel ein sicherer Ankerplatz. An anderen Tagen zeigt Rasmus keinerlei Spur von Wohlgesonnenheit in seinem schwankenden Reich. Warum und wieso, darüber gibt er keine Rechenschaft. Er regiert die grüne See, die überkommt — in den Schaluppen, die ihren Tanz auf dem Meer vollführen. Auf den steilen Außenkanten der Dünen, die überspült und eingerissen werden. Rasmus fährt zwischen die erschreckte Schar der Boote auf der Reede, lässt sie an ihren Leinen bocken. Er platscht an den Südstrand, wo die Kinder ein Spiel daraus machen, die grüne See zu necken und zu flüchten, wenn sie nach ihnen greift. Wohr di, Rasmus kommt!
Die Menschen atmen die mit Gischt getränkte Luft, und manches Volk wird von dem aufgerissenen Rachen verschluckt, der sich plötzlich vor ihm auftut. Das maßlose Gebaren rührt von dem Leviathan, in den Rasmus sich an diesen Tagen verwandelt hat, den Herold aller großen Waltiere. Der Leviathan peitscht mit seinem Schwanz die Meeresoberfläche und reckt im nächsten Augenblick die Fluke in die Wolken, wo er Löcher in die Wetterwattewände reißt. Ungerührt vernimmt er das Stöhnen der Schöpfung in ihren Geburtswehen und das Seufzen der sündigen Menschen in den Nachwehen ihrer Taten. Ihre Herzen müssen die Last der Himmelsgaben ebenso tragen wie die unfassbaren Gaben der See.
Pay Edel erwachte aus seiner Ohnmacht. Er riss die Augen auf und schloss sie wieder. Ein böser Laut begleitete den Wimpernschlag. »Nicht fluchen!«
Augen auf, ein neuer Versuch. Qivitoq, auch genannt das Menschenkind, stand über ihm, die Pütz in der Hand. Der Schwall von kaltem Wasser war belebend wie eine Ohrfeige. Pay Edel richtete sich prustend auf. Er fuhr sich mit der Zunge über die Lippen. Es schmeckte salzig. Sand knirschte zwischen seinen Zähnen. Seewind zerrte an seinen Haaren.

<< Jan 2020 >>
MDMDFSS
30 31 1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30 31 1 2

Neueste Kommentare

    Archive

    Kategorien

    Januar 2020
    M D M D F S S
    « Dez    
     12345
    6789101112
    13141516171819
    20212223242526
    2728293031