Seit Wochen quält mich der Gedanke: Was kann man schreiben, wenn die Welt verrückt spielt? Oder vielmehr die, die sie regieren? Ich habe den sicheren Weg gewählt und nichts geschrieben, um nicht Winterdepressionen im Frühling zu verbreiten. Neulich habe ich etwa dreißig Sekunden Fernsehen gehört, versehentlich und aus dem Nebenzimmer. Innerhalb dieser sehr kurzen Zeit fiel der Satz: „Die Moral der Kämpfer scheint intakt“. Was hat Krieg mit Moral zu tun?

Bei mir versammeln sich wöchentlich ein paar rebellische Mütter an der Rotweinoase und beschwören das bleiche Gespenst der Anarchie. Das tröstet bei aufkommender Endzeitstimmung. Leider haben es die Anarchisten nicht leicht in der Welt. Man schlägt sie tot und ehrt auch später ihr Andenken nicht gern, feiert lieber spät geläuterte Nazi-Offiziere als zum Beispiel Erich Mühsam (LESEN! meine Empfehlung zum Welttag des Buches). Wenn die Menschen mehr lesen würden, würden sie sich möglicherweise seltener gegenseitig umbringen. Wenn man glaubt, in seiner Kleidung nicht mehr atmen und auf der Straße nicht mehr gehen zu können, ist es auch sehr schön, ans Meer zu fahren – oder auf dem Meer. Ebenda, zwischen Helgoland und Hamburg hatte ich eine überraschende Begegnung. Reimer Eilers saß am Nachbartisch und mahnte unter Einhaltung aller Abstandsregeln diesen Beitrag bei mir an. Fast wie ein freundliches Inkasso-Unternehmen.

Helgoland ist übrigens wirklich schön. Er lügt nicht – das weiß ich seit gestern.