Kolossale Chose:
Robert Steigerwald verstorben PDF Drucken
SteigerwaldFotoDer Kulturmaschinen Verlag bedauert mitteilen zu müssen, dass sein Autor, der Philosoph Robert Steigerwald gestern Nachmittag im Alter von 91 Jahren in Eschborn verstorben ist.
Robert Steigerwald, der die als Schmähung gedachte Bezeichnung „demokratischer Kommunist“ als zutreffende und ehrende Bezeichnung ansah, hat wesentlich zur Diskussion um Wirtschaft und Kultur, um die Geschichte der DDR und der UdSSR beigetragen. Fundiert und kenntnisreich äußerte er sich zu den Verwerfungen in der Vergangenheit ebenso, wie zu den erbrachten Leistungen.
In fünf Büchern (geplant war ursprünglich nur ein Trilogie) der „Blauen Reihe“ des Verlages durchleuchtete er die Politik der Sowjetunion ebenso fokussiert, wie er sich mit der Hegelschen Dialektik oder dem Werk Schillers auseinandersetzte.
Robert Steigerwald wurde 1925 in Frankfurt am Main geboren. Nach Arbeits- und Militärdienst studierte er Germanistik, Geschichte und Philosophie. Während des Studiums war er Redakteur bei Radio Frankfurt und Hörspielautor.
Seit 1948 Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands studierte er an der Parteihochschule der SED und lehrte dort im Anschluß Philosophie. Bald nach seiner Rückkehr in die Bundesrepublik wurde er als Funktionär der KPD verhaftet und zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Steigerwald befand sich insgesamt fünfeinhalb Jahre in Einzelhaft.
Bei Manfred Buhr promovierte er 1968 zum Doktor der Philosophie über Herbert Marcuses dritter Weg.
Seine späten, im Kulturmaschinen Verlag erschienenen Bücher fanden über alle Erwartungen hinaus Leser insbesondere an den Schulen und Hochschulen. Seine Einsichten und seine klare kritische Haltung zeigen einen Kommunisten, der mit offenem Blick und ohne jegliche nostalgische Verklärung auf die Geschichte sieht und der sich im Interesse einer besseren Zukunft mit Kunst, Kultur, Wirtschaft und Staatsphilosophie beschäftigt hat.
Robert Steigerwald wird der Debatte um Demokratie und gesellschaftlichen Fortschritt weit über die Grenzen Deutschlands hinaus fehlen.