Kolossale Chose:
Barbara Gresslehner PDF Drucken

IMG_3172_1aDie 1983 in Österreich geborene Schriftstellerin wohnt im Ruhrgebiet. Sie hat in Essen ihren Lebensmittelpunkt; ihre schriftstellerische Seele jedoch hat Österreich nicht verlassen. Das merkt der Leser spätestens an ihrer ganz alpenländischen Fabulierkunst. Wortreich, mit ungewöhnlichen, aber eindringlichen Satzkonstruktionen entführt sie uns in fast ganz reale Welten, die allerdings - auch darin besteht ihre große Kunst - immer etwas verschoben sind, aus dem Wirklichen ein kleines Stück ins Irreale verrückt.

Bizarr sind ihre Geschichten und werden doch nie trivial - eine Gefahr immerhin, die man unter der globalisierenden Bezeichnung "bizzar" vermuten darf, ohne dafür gescholten zu werden. Nein, bizarr hat hier eine ganz duden'sche Bedeutung: bi|zarr  <it.-fr.>: von absonderlicher, eigenwillig schroff-verzerrter, fremdartig-fantastischer Form, Gestalt.  Mit dieser Bedeutung, ist 'bizarr' das richtige Wort für die Geschichten Gresslehners. Gefällig sind sie dem, dem gute Sprache, ja hohe Sprache gefällt, nicht gefällig sind sie dem, der den schnellen, den einfachen Lesekick sucht. Er wird nicht fündig werden, zu sehr muss man sich einlassen auf die Art der Darstellung, auf das, was dargestellt wird - in einer niemals moralisierenden Form, ohne Wertung, als Tatsache einer - ich schrieb es schon - verrückten Welt.

Gregor Keuschnig hat in seinem bekannten und vielbeachteten Blog geschrieben (die Rezension wurde übrigens auch bei Perlentaucher verlinkt): "Erstaunlich, wie diskret das Bizarre erzählt wird; nie vulgär oder obszön. Der Leser wird auch nicht zum Zeugen oder Voyeur degradiert. Durch dieses Taktgefühl gelingt es Barbara Gresslehner, die Innen-, die Seelenwelt der Figuren besonders hervorzuholen und auszubreiten. Ihre Lust, ihre Verzweiflung. Ihr Streben nach Ausbruch – und ihre Besessenheit, die dies verhindert. Es sind Aufzeichnungen von Niederlagen. Niederlagen, von denen man jede Sekunde, jeden Augenblick fühlt und bevor man wirklich unterliegt, hat man schon viele Male verloren. Und man spürt, dass hier jemand weiss, wovon er erzählt (die Betonung liegt auf "erzählt")."

Wir, der Verlag, der dieses Erstlingsbuch herausgegeben hat, haben große Hoffnungen in die Autorin. Es braucht in einer Zeit, in der Sprache leichtfertig benutzt wird um Trivialitäten in die Bücherregale zu schreiben, Schriftsteller und Schriftstellerinnen dieser besonderen, seltenen Qualität.